Von Baden aufs Dach der Welt – mit dem Fahrrad

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Grafik © Regiorebellen

Aufs Dach der Welt für einen guten Zweck

Roland, Matthias und Thomas wollen den Himalaya hautnah erleben und flogen von Frankfurt nach Kathmandu, um mit dem Fahrrad möglichst viele Höhenmeter zu erradeln. Denn pro gefahrenen Höhenmeter spenden Unternehmen und Vereine aus dem Kraichgau zehn Cent an Kinder und Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen. So wird aus einer Fernreise mit Flugzeug ein wertvoller Beitrag.

Aber Linda und David Weis zeigen, dass man auch ganz ohne Flugzeug Höhenluft schnuppern kann. Denn auch sie wollten den Himalaya sehen – aber trotzdem keine Fernreise per Flugzeug machen. Deswegen nahmen sich beide eine lange Auszeit und setzten sich in den Sattel. Mit je 45 Kilogramm Gepäck fuhren sie von Hausen aus immer weiter Richtung Osten, dem Mount Everest entgegen. Für sie war der Weg das Ziel. Die Welt sehen und das Klima schützen – das ist für die beiden Abenteurer kein Widerspruch.

Die Fahrt ist für sie ihre Hochzeitsreise, einmal im Leben wollen sie so eine ganz besondere Reise erleben. Und von dieser Reise werden sie noch lange zehren können und viele Winterabende mit ihren zukünftigen Enkeln und Geschichten verbringen können.

Denn wer auf Flugzeuge verzichtet, der erlebt seine Reise ganz anders. Ein Flugzeug, aber auch die Eisenbahn oder ein Auto macht eine Reise einfach – aber von der eigentlichen Reise bekommen die Reisenden gar nichts mehr mit. Denn als Flugpassagier steigt man in das Flugzeug ein und steigt am Ziel wieder aus. Die Welt zwischen den beiden Orten existiert einfach nicht.

Mit dem Fahrrad entdeckt man erst die Welt

Wer wirklich die Welt entdecken möchte, der muss sich auf das Fahrrad setzen. Denn kein anderes Transportmittel erlaubt es, so viel von der Welt zu entdecken. Das Fahrrad sorgt dafür, dass man allein schon die Geografie der Strecke wirklich wahrnimmt. Die Reisenden erleben am eigenen Körper die Hügel, Berge und Passstraßen, die Wälder oder die sengende Hitze im Sommer. Auch das Klima kann nicht mit einer Klimaanlage ausgesperrt werden.

Aber viel spannender für Linda und David war, dass sie unterwegs unzählige Menschen aus den verschiedensten Kulturkreisen kennenlernten. Mit ihren Fahrrädern waren sie immer draußen, immer auf der Straße und kam so unweigerlich immer wieder in Kontakt mit ihren Mitmenschen, egal ob Europa, der Türkei, in den Bergen des Kaukasus, den Wüsten des Iran, Indien oder den Berggipfeln des Himalayas – überall lernten sie andere Reisende kennen.

Spartanisch unterwegs – und Gastfreundschaft erleben

Selbst mit 45 Kilogramm Gepäck auf den Rädern waren Linda und David eher spartanisch unterwegs. Dafür lernten sie schnell die Gastfreundschaft der Menschen in den unterschiedlichen Ländern kennen, durch die sie reisten. Erstmals wirklich aufgefallen ist ihnen die enorme Gastfreundschaft in der Türkei, als die gut ausgebaute, touristische Infrastruktur langsam endete und sie immer öfter auf die Hilfe der Einheimischen angewiesen waren.

In Europa ist das Reisen mit dem Fahrrad einfach. Überall gibt es mehr oder weniger gute Radwege, alle paar Kilometer findet sich ein Campingplatz. In Kroatien wurden die beiden Fahrradreisenden sogar mit Wein auf dem Campingplatz empfangen. Aber irgendwann, als sie den „Westen“ verließen, wurde die Infrastruktur für Touristen doch spürbar weniger.

Aber sie stellten fest: genau an solchen Orten sind die Menschen umso hilfsbereiter. Überall in der Türkei erfuhren sie unzählige Hilfsangebote zusätzlich zu der großartigen Schönheit der Natur Kappadokiens. Nicht viele Orte der Welt sind so ruhig wie der Nord-Osten der Türkei. Weiter ging es nach Georgien, nach Batumi am Kaspischen Meer. Und was für ein Kontrast ergab sich den beiden Abenteurern aus Hausen! Die Hafenstadt ist ein Magnet für Touristen aus aller Welt. Linda und David mussten sich erst wieder an den Lärm und die Farben einer quirligen Stadt gewöhnen, nachdem sie Tage damit verbracht hatten, durch die ländliche Türkei zu radeln.

Der Komfort wurde spürbar geringer

Je weiter die beiden nach Osten fuhren, desto geringer wurde der Komfort. Ein bisschen erholten sich die beiden in Georgien – aber dann mussten die Berge des Kaukasus überquert werden. Eine schweißtreibende Arbeit, an deren Ende kein sehr warmes Bett wartete. Nachts in Uschguli, einem Dorf auf 2200 Metern Höhe, fiel immer wieder der Strom aus und nachts waren die Zimmer nur 12 Grad Celsius warm.

Und dennoch wagten sich die beiden immer weiter, über Schotterpisten tiefer hinein ins wilde Georgien. Nachts schliefen sie bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, Tags schwitzten sie auf ihren Rädern bei 30 Grad Hitze.

Die Hitze wurde für Linda später ein Problem – denn im Iran herrschen strenge Kleidervorschriften, besonders für Frauen. Aber eines haben sie gelernt und wollen der Welt mitteilen. Die Vorurteile gegenüber dem Iran, sind sehr unfair. Nach einer tagelangen Reise ohne Zugang zu Wasser oder Nahrungsmittel durch die Wüste, erlebten sie wie sie von einer Familie nach der anderen für eine Nacht buchstäblich adoptiert wurden. Gastfreundschaft schreiben Iraner groß.

Eine Straße von Hausen nach Nepal

Die Reise führte Linda und David von Hausen, aus der deutschen Provinz immer weiter nach Osten bis nach Nepal. Schon erstaunlich, dass man für diese Reise immer weiter auf Straßen fahren kann – 9.000 Kilometer, zwar nicht auf Asphalt, aber wenigstens auf Schotter, von den sanften deutschen Mittelgebirgen bis zu den höchsten Gipfeln der Welt.

Wahrscheinlich hat kein Urlauber je eine Reise mit dem Flugzeug unternommen, auf der er so viel erlebt hat, wie Linda und David mit ihren beiden Fahrrädern. Vielleicht sollten wir von diesem Beispiel lernen. Wer die Welt sehen möchte, der kann sich dabei nicht beeilen. Wer mit dem Flugzeug in die ganze Welt reist, der sieht immer wieder großartige Orte – aber nicht die Welt. Die Welt zieht in rasender Geschwindigkeit viele tausend Meter unter dem Flugzeug daher, alles was dann bleibt sind Ausschnitte. Aber mit Zeit und Fahrrad kann man die Welt erleben, erspüren, die Menschen kennenlernen und erfahren, wie die Welt wirklich ist – trotz internationaler Sanktionen und Vorurteile.

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