Sportwetten boomen zur EM, aber sind sie legal?

EM bescherte Wettbüros hohe Umsätze

Die aktuelle Europameisterschaft 2016 hat den Wettbüros einen enormen Umsatz beschert. Sportwetten boomen. Kein Wunder, treibt doch jeden Fan die Frage um, wer gewinnen wird. Viele haben sich im Büro oder der Familie zusammengeschlossen und eine Tippgemeinschaft oder ein Tippspiel ins Leben gerufen, um die 51 möglichen Ergebnisse vorherzusagen. In den Wettbüros geht es ähnlich zu, nur dass die Fans dort nicht alleine auf Sieg, sondern auch auf Tore, Trainer, Spieler und alle möglichen Kuriositäten setzen können. Wer seine Chancen erhöhen will, informiert sich bei Experten und besorgt sich das nötige Hintergrundwissen.

Die Sportwettanbieter, die unter anderem zu den Sponsoren der EM gehören, machen auf den Bannern kräftig Werbung in eigener Sache. Dabei befinden sich viele Buchmacher rechtlich gesehen in einer Grauzone.

Rechtliche Lage zu Sportwetten in Deutschland

Für Fußballfans ist es gerade besonders spannend. Liegen sie mit ihrer Wette richtig, gewinnt der Favorit? Doch nicht nur auf Fußball wird getippt, auch andere Sportarten wie Tennis, Pferde- und Hunderennen, Basketball oder die Formel 1 sind bei Sportwetten beliebt. Die Buchmacher im Netz machen das Tippen möglich. Wettfreudige können dort über ein Stream die wichtigsten Ereignisse live mitverfolgen und über das Smartphone oder den Computer jederzeit einen Tipp abgeben. In Deutschland gibt es rund 60 börsennotierte Wettanbieter und über 3.000 alternative Portale, die Wetten anbieten.

Bisher gibt es außer dem staatlichen Buchmacher Oddset keinen Wettanbieter, der eine bundesweite Lizenz für sein Angebot in Netz besitzt. Unternehmen, wie bwin oder Betsafe, versuchen seit Jahren, eine Lizenz zu erhalten. Das rechtliche Wirrwarr macht eine Lizenzerteilung derzeit praktisch unmöglich. Von den Behörden sind sie bisher nur geduldet, gesetzlich befinden sie sich einer Grauzone.

Grund für das Problem sind die Bundesländer. Sie streiten sich seit mehreren Jahren um den Glücksspielstaatsvertrag und schaffen es nicht, den Sportwettenmarkt in Deutschland einheitlich zu regeln. Offiziell, weil sie die Spielsucht bekämpfen wollen, inoffiziell, weil sie versuchen, die Anbieter zu kriminalisieren. Dabei sind die Wettangebote im Internet sicher, für Kunden gibt es eine Registrierungspflicht. Viele Buchmacher verzichten freiwillig auf Regionalligen, wo bestochene Schiedsrichter und Spieler zumindest dem Hörensagen nach vorkommen sollen. Seit ein paar Jahren gibt es zudem eine Wettpolizei, die im Auftrag der Fußballverbände Quotenveränderungen überprüft und im Falle einer Verdächtigung die Anbieter bei den Behörden meldet.

Das alles reicht nicht aus, um die Bundesländer, die sich gegen die Anbieterlizenzen aussprechen, zu überzeugen. Nur Schleswig-Holstein wiedersetzt sich. Das Land trat 2012 kurz aus dem Glücksspielstaatsvertrag aus, um mit einem eigenen Gesetz 25 Sportwettanbietern eine Lizenz zu erteilen. Diese Lizenzen sind bis heute gültig, aber nur in Schleswig-Holstein.

Der Europäische Gerichtshof beurteilt die wirre Glücksspielregelung in Deutschland als unvereinbar mit dem europäischen Recht. Denn die Lizenzen für Buchmacher ausschließlich auf staatliche Anbieter zu begrenzen, ist ein Monopol und widerspricht dem Sportwettenmarkt anderer EU-Länder, bei denen private Anbieter genehmigt sind. Der Europäische Gerichtshof empfiehlt der Bundesrepublik, dass auch sie die Dienstleistungsfreiheit umsetzt.

Umsatz mit Sportwetten in Deutschland

Die Branche boomt. Viele Buchmacher haben ihre Mitarbeiterzahl in den letzten Jahren mehr als verdoppelt. Knapp fünf Milliarden Euro Umsatz machen Sportwettanbieter in Deutschland. Einen Großteil davon verdienen sie mit mobilen Wetten. Sie sind nicht die einzigen, die profitieren. Auch Fachzeitschriften, Autoren von Fachbüchern und Wettberatungsunternehmen erhalten ein Stück vom Kuchen.

Trotzdem macht die Bundesrepublik den Wettunternehmen das Leben schwer. Die Buchmacher müssen ihre Wetteinnahmen, obwohl sie keine offizielle Genehmigung haben dennoch versteuern. Schätzungen zufolge verdient der Staat mit diesen Steuereinnahmen über 250 Millionen Euro jährlich.

Wer wettet, macht sich strafbar?

Was bedeutet das für die Fans, die bei einem Buchmacher im Internet Wetten abgeben? Theoretisch machen sie sich strafbar, da der Anbieter im Netz über keine hinreichende Erlaubnis verfügt. Aber welcher Betreiber welche Lizenz hat und welche nicht, ist undurchsichtig. Rechtsexperten erklären, dass sich Verbraucher keine Sorgen über rechtliche Konsequenzen machen müssen. Bisher gab es kein einziges Verfahren, wo gegen Teilnehmer eines Sportwettenportals ermittelt oder verhandelt wurde. Derzeit kann also jeder weitermachen – das gilt für Anbieter wie Fans von Sportwetten.

Quelle Bild: Pixabay © Pixel-Sepp(CCO Public Domain)

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