Männerberuf? Frauenberuf? Wie Rollenklischees die Berufswahl beeinflussen

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Bildrechte: Flickr Terra - Malwina Gradecka Oregon State University CC BY-SA 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten

Die Berufswahl 2018 – noch immer Geschlechterbezogen?

Kfz-Mechatroniker, Pilot, IT-Spezialist – instinktiv würden viele Menschen diese Tätigkeiten als typische Männerberufe bezeichnen. Erzieherin, Friseurin oder Krankenpflegerin gelten hingegen eher als Frauenberufe. Sollten im Jahr 2018 Berufe noch nach dem Geschlecht unterschieden werden? “Nein”, meint Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey, “weg mit den Vorurteilen!” Doch wie sieht die Realität aus?

Männer sind vor allem in den technischen Berufen stark vertreten, Frauen hingegen in den sozialen Berufen in der Überzahl. Sobald der Männer- bzw. Frauenanteil mehr als 80 Prozent beträgt, wird ein Beruf als Männer- oder Frauendomäne bezeichnet. Auch heute gibt es noch viele Berufe, in denen ein Geschlecht besonders stark vertreten ist.

So begannen im Jahr 2015 nur 1,7 Prozent der jungen Frauen eine Ausbildung zur Klempnerin, 7,1 Prozent entschieden sich für den Beruf Mechatronikerin und 12,2 Prozent für die Ausbildung zur Tischlerin. Zwar arbeiten heutzutage deutlich mehr Frauen im sogenannten MINT-Bereich (das sind Berufe mit Bezug zu Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik), dennoch sind sie dort weiterhin deutlich unterrepräsentiert. Immerhin: Laut einer Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung ist in den letzten elf Jahren der Anteil an Frauen in fast allen männerdominierten Berufen angestiegen – wenn auch nur sehr wenig, nämlich im Durchschnitt um 0,2 Prozentpunkte pro Jahr und Beruf.

Vorurteile und veraltete Rollenklischees

Als Grund dafür, weshalb Frauen in vermeintlichen Männerberufen sowie Männer in vermeintlichen Frauenberufen auch im Jahr 2018 noch deutlich unterrepräsentiert sind, werden vor allem Vorurteile und Rollenklischees angesehen – etwa, dass Frauen sozial und Männer stark sind.

Derartige Vorurteile sind tief in der Gesellschaft verwurzelt und beeinflussen junge Leute in ihrer Entscheidung stark. Wer nicht über genügend Selbstsicherheit verfügt, um seinen Berufswunsch energisch zu vertreten und der Skepsis von Kollegen entgegenzutreten, entscheidet sich womöglich letztlich für einen Beruf aus der “eigenen” Domäne – denn damit ist man vermeintlich auf der sicheren Seite. Doch die Berufswahl sollte niemals vom Geschlecht abhängen, sondern allein von den Fähigkeiten und Interessen der jungen Menschen.

Insbesondere wenn sich Frauen für Berufe interessieren, in denen sie anpacken müssen – ob als Lagerarbeiterin, Malermeisterin oder Automechanikerin -, begegnen sie häufig dem Vorurteil, dass sie solche Berufe schon aus biologischen Gründen nicht ausführen können. Einmal abgesehen davon, dass heutzutage die meisten Unternehmen mit modernen elektronischen Helfern wie Staplern arbeiten und somit das Heben schwerer Lasten von Maschinen übernommen wird, sollte man die physische Kraft von Frauen nicht unterschätzen.

Entscheiden sich junge Frauen trotz aller Bedenken von außen für einen Beruf aus der Männerdomäne, sind sie oft Sexismus und Diskriminierung ausgesetzt – sei es von Kollegen oder von Kunden, die daran zweifeln, dass eine Frau auch wirklich etwas vom “Männer-Handwerk” versteht. Um ernst genommen zu werden, müssen Frauen sich nicht nur mehr anstrengen, sondern auch mehr Kompetenz und Selbstbewusstsein ausstrahlen als ihre männlichen Kollegen.

Gleiches gilt für Männer, die gern als Erzieher arbeiten würden, sich aber anhören müssen, Erziehung sei Frauensache. Dabei ist es allgemein bekannt, dass Kinder sowohl Männer als auch Frauen als Bezugspersonen brauchen. Weiterhin bringen Männer eine andere, nichtsdestoweniger wertvolle Perspektive in die Kindererziehung ein. Das geringe Gehalt ist ein weiterer Faktor, weshalb sich viele Männer eher gegen typische Frauenberufe entscheiden. Junge Männer empfinden ein hohes Einkommen tendenziell wichtiger als junge Frauen.

Wie kann mehr Offenheit in der Berufswelt erlangt werden?

Seit 2001 gibt es in Deutschland den “Girls’ Day”, an dem Unternehmen ihre Türen öffnen und Mädchen einen Einblick in Berufsfelder gewähren, die noch immer stark von Männern dominiert sind – das ist zum Beispiel im Bauwesen oder in der Technologiebranche der Fall. Mittlerweile gibt es dazu auch ein Pendant für Jungen – den “Boys’ Day”. An diesem Tag können Jungen (noch) von Frauen dominierte Berufe wie Florist oder Erzieher kennenlernen.

Einen großen Einfluss hat auch die Familie. Sie sollte die jungen Erwachsenen in ihrem Berufswunsch unterstützen, egal ob es sich dabei um den Plan handelt, Zahnarzthelfer oder Programmiererin zu werden. Auch Chefs und Kollegen sind aufgefordert darauf achten, dass im Unternehmen kein Platz für Sexismus und Diskriminierung ist.

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