Leinenzwang und Hundeführerschein – was kommt als nächstes?

Verschärfte Hundeverordnungen und Leinenzwang, kann bald nur noch ein Hundeführerschein die Hunde vor einem Dasein unter Leinenzwang schützen?

Hundeführerschein vs. Fahrradführerschein

Schade nur, dass nicht mit gleicher Konsequenz gegen z.B. Fahrradfahrer, die sich nicht an die Verkehrsregeln halten, vorgegangen wird. Jeder der sich irgendwie auf einem Fahrrad halten kann, kann ungehindert am Straßenverkehr teilnehmen. Schaut man sich dazu mal die Statistiken der Fahrradunfälle bzw. Gesamtunfälle unter Beteiligung von Radfahrern an, kann man schon schwer ins Grübeln kommen.

Auch Kinder werden, kaum dass sie sich im Sattel halten können, bereits in den Straßenverkehr gelassen OHNE entsprechende Prüfung!!! Ab 8 Jahren, dürfen sie auf dem Fahrrad am Straßenverkehr teilnehmen – davor fahren sie bereits auf dem Bürgersteig – ob das sicher für die Fußgänger ist, hängt vermutlich auch vom Fahrvermögen des Kindes ab.

O.K. viele Eltern lernen ihren Kindern fernab vom Straßenverkehr das Fahrradfahren sorgfältig und – FREIWILLIG – und das ist der Punkt. Es mag einige wenige Eltern geben, die sich nicht so sehr kümmern und deren Kinder viel zu früh sich selbst überlassen am Straßenverkehr teilnehmen, dennoch baut man hier auf die Vernunft und Einsicht der Eltern.

Wieso traut man also den Hundebesitzern nicht zu, dass der allergrößte Teil von ihnen ein hohes Interesse daran hat, dass ihr Hund nicht beißt und sie ihr Tier auch entsprechend erziehen?

Hier kann man nur mutmaßen. Vielleicht liegt es daran, dass es wesentlich mehr Fahrradfahrer als Hundehalter gibt und sich deshalb keine Partei an das Thema herantraut – so was könnte ja Wählerstimmen kosten?

Außerdem lässt sich die Story vom bösen Fahrrad, nicht so glaubhaft und überzeugend verkaufen, wie Bilder von zähnefletschenden Hunden.

Die Mainstreammedien tun ihr übriges zu dem Thema. Für sie sind Storys überlebensnotwendig. Sie brauchen Reichweite (viele Leser) damit sie ihre Werbung verkaufen können – so einfach ist das.

Ratet mal selbst was mehr geklickt wird:

„Fußgänger verletzt sich die Hand bei Kollision mit Radfahrer ” oder –

„Hund beißt Kind in die Hand” –

Na? Genau – und schon entsteht das Bild, dass Hundebisse an der Tagesordnung sind und nicht die zahlreichen Fahrradunfälle, die meist gar keine eigene Story bekommen und die gleich in einem Sammelbericht verschwinden.

Leinenzwang vs. Hundeführerschein

Damit jetzt niemand auf falsche Gedanken kommt, jeder Hundebiss ist einer zu viel und natürlich sollten Hunde so erzogen sein, dass von ihnen keine Gefahr ausgeht. Doch bedarf es hier wirklich einer gesetzlichen Regelung? Wem soll diese nützen, außer den Zusatzeinnahmen der Städte?

Wenn ein Hund wirklich beißt, wird ihn kein Gesetzt davon abhalten – bekanntermaßen können Hunde nun mal nicht lesen;-)

Zum Thema Hundeführerschein: Wer soll da die Kriterien festlegen und wer soll diese überprüfen? Ein Hund ist kein Auto, dass man in verkehrstechnisch einwandfreien Zustand versetzt und dann prüft? Zu viel Nervosität beim Hundebesitzer bei so einer Prüfung reicht aus, um den Hund mit zu verunsichern.

Wie widersprüchlich diese geplante Regelung ist, kann jeder der sich auch nur halbwegs mit Hunden auskennt leicht erkennen. Dummerweise besteht jedoch der Großteil der Bevölkerung aus Menschen, die wenig oder gar keine Erfahrung mit Hunden haben.

Deshalb lässt sich das Thema Leinenzwang und Hundeführerschein ja auch so gut verkaufen. Ein paar Storys über die wirklich bedauerlichen Einzelfälle und schon kann man Stimmung machen.

Die Politiker profitieren dann davon, dass sie eines der großen Probleme unserer Zeit gelöst haben – Bravo. Wieso nur fallen mir da spontan zig Probleme in unserem Land ein – die seit Jahrzehnten ungelöst bleiben und die weitaus dringender sind?

Um noch mal darauf zurück zu kommen warum so ein Hundeführerschein Nonsens ist, als Alternative zum Leinenzwang.

Ein Hund braucht Auslauf wie ja wirklich jeder weiß. Nun soll ich also einen Hund monatelang ausschließlich an der Leine ausführen und ihn seines Bewegungsdrangs berauben. Als Belohnung darf er dann trainieren – schließlich soll er ja zur Erlangung von ein bisschen Freiheit, den Hundeführerschein machen.

Das ist ungefähr so, wie wenn man Kinder den ganzen Tag an einem Stuhl anbindet und zur Belohnung dürfen sie dann lernen. Wie würden Kinder, die zuvor so behandelt wurden, bei Prüfungen wohl abschneiden?

Ja und vor dem Hunde-Training tue ich durch das ständige Anleinen alles dafür, dass der Hund sich eher verteidigend verhält – klingt widersprüchlich oder?

Und damit hat es folgende Bewandtnis: Ein Hund empfindet die Leine als Verbindung zu seinem Herrn oder Frauchen und fühlt sich so bestärkt. Diese Verbindung gibt ihm das Gefühl geschützt zu sein, was in der Konsequenz bedeutet, dass er sich z.B. gegenüber Artgenossen an der Leine viel sicherer fühlt und auch entsprechend eher dazu bereit ist, den anderen Hund anzufeinden oder gar anzugreifen.

Geübte Hundeführer die sich mit ihren Hunden irgendwo begegnen, würden in diesem Falle schleunigst die Leine lösen. In der Regel wird der vorher noch kräftig streitbare Hund sich seines Schutzes beraubt fühlen und sich hinter seinem Herrn oder Frauchen verstecken. Normalerweise, dreht sich der unterlegene Hund auf den Rücken um seine Unterwerfung zu demonstrieren und damit hat sich in den allermeisten Fällen die Situation von alleine entschärft.

Die Hunde kommunizieren in ihrer eigenen Sprache und wenn man sie tagaus tagein an der Leine führt, unterbindet man ihr Sozialverhalten – schürt Aggressionen durch Bewegungsmangel – und provoziert damit Konfliktsituationen.

Diese sollen dann nachträglich – so kurz vor dem Hundeführerschein wieder ausgemerzt werden?

Alleine das zeigt auf, wie unsinnig und undurchdacht hier Regelungen auf den Weg gebracht werden, die letztendlich niemandem nutzen und zudem Hundebesitzer in Konflikt bringen.

Nach dem Tierschutzgesetz, Hundehaltungsverordnung § 2 Satz 1 müssen Hundehalter ein Bußgeld zahlen, wenn sie ihren Hund nicht mindestens zwei Stunden am Tag ohne Anbindevorrichtung frei laufen lassen.

  • Wird dann dieses Gesetzt außer Kraft gesetzt bis zur Erlangung des Hundeführerscheins?
  • Dieser soll dann durch einen zuvor nicht artgerecht gehaltenen Hund bestanden werden?

In dem Zusammenhang würde mich mal interessieren, ob schon jemand ausgerechnet hat wie hoch die Zusatzeinnahmen durch Bußgelder und die Hundeführerscheine, die ja nicht nur die Hundebesitzer sondern jeder Familienangehörige und sonstige Gassigeher ebenfalls ablegen muss, eigentlich sind?

(14.4.2013 – Redaktion Regiorebellen: S. Beha)

1 KOMMENTAR

  1. Hallo Silvia !
    Du hast mit jedem Wort recht.Auch ich könnte mich jeden morgen über das rücksichtslose Verhalten bei uns in Kollnau am Aubächle der Fahrradfahrer besonders über das der Erwachsenen aufregen.Die rasen von hinten ohne zu klingeln an uns vorbei.Da kannst du deinen Hund sogar an der Leine haben die fahren so dicht an uns vorbei das jede Leine zu lang ist.Wenn ich was zu sagen hätte würde ich jeden rücksichtslosen Fahrradfahrer vom Rad ziehen.Fahr doch mal mit deinem Auto nach Freiburg!!!!Die machen gerade was sie wollen.Und keinen interessierts.In Kollnau ist sogar ein Arzt dabei aber nur im Sommer.Im Winter sitzt er in seinem warmen Auto und regt sich wahrscheinlich über rücksichtslose Fahrradfahrer auf.Die vergessen das es auch ein Kind sein könnte.Ich könnt mich stundenlang aufregen über dieses Thema.Aber weisst du was genau so schlimm ist, der Postbote der mit seinem Auto jeden morgen zu diesem Bauer fährt.Trotz Beschwerde bei der Post hört er nicht auf damit.Jetzt blühen dann die ganzen Sträucher da hinten wieder und man sieht an manchen Stellen keine 3 Meter.Ich bin gespannt wie lange es noch geht bis etwas passiert.Aber man weiss ja erst muss etwas passieren bevor etwas passiert.Der Postbote rast mit mindestens 50 Sachen da durch. Wir mussten schon vor sein Auto laufen um ihn zu stoppen.Damit unsere Hunde nicht zum Opfer wurden.
    Gruss Angela

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