Freiburg: Flüchtlingsströme – Unterbringung in Gewerbegebieten

Das Bild zeigt v.l. Werner Hein (Amt für Wohnraumversorgung der Stadt Freiburg), Christian Schulz (Vorsitzender der IG HAID und der IG NORD) und Volker Speck (Leiter der Mercedes Benz Niederlassung Freiburg). Foto © Ralf Deckert

IG HAID & IG NORD im Gepräch mit der Stadt

Flüchtlinge in Freiburger Gewerbegebieten:

  • IG NORD und IG HAID informieren sich über Auswirkungen der Krise
  • Positive Grundstimmung trotz großer Herausforderungen
  • Rund 100 Teilnehmer diskutieren mit Werner Hein, dem Leiter des Amts für Wohnraumversorgung der Stadt Freiburg

„Wir arbeiten Tag für Tag im Krisenmodus, es ist eine Herausforderung“, so Werner Hein, der Leiter des Amts für Wohnraumversorgung der Stadt Freiburg, am Donnerstagabend vor rund 100 Mitgliedern der IG HAID und der IG NORD in der Mercedes Benz Niederlassung Freiburg. Hein war auf Einladung von Christian Schulz, dem Vorsitzenden der beiden Interessengemeinschaften Gewerbegebiet Haid und Industriegebiet Nord zu Gast, um mit Unternehmern über die Auswirkungen der aktuellen Flüchtlingsströme zu diskutieren und über die Bemühungen der Stadt in der Krise zu informieren: „Mittlerweile denken wir auch über Zeltunterkünfte nach, in Opfingen wird nun zudem erstmals eine Turnhalle mit Asylsuchenden belegt“, so der Amtsleiter. Auf der Haid und im IG Nord seien im ehemaligen Essilor-Gebäude in der Bötzinger Straße und auf dem Dresmann-Areal an der Zinkmattenstraße zudem Unterkünfte für bis zu jeweils 300 Menschen geplant. Rund 80 Personen werden die neue Unterkunft in der Waltershofener Straße auf der Haid beziehen. „Von unserem ursprünglichen Konzept, pro Asylunterkunft nicht mehr als 70 bis 80 Menschen unterzubringen, müssen wir mehr und mehr abrücken. Die Stadt ist in Not, die Unterbringung eine riesige Herausforderung“, so Werner Hein, der mittlerweile 109 Flüchtlinge pro Woche unterbringen muss.

Das Essilor-Gebäude habe die Stadt für 15 Jahre gemietet, so Heins Auskunft. Das Gelände an der Zinkmattenstraße wurde gekauft. Die Unterbringung der Menschen sei eine Pflicht der Kommunen, betonte der Amtsleiter: „Wir müssen den Menschen ein Dach überm Kopf verschaffen.“ Gerade in Freiburg, wo der Wohnungsmarkt ohnehin sehr angespannt ist, sei die Lage jedoch schwierig, so Hein weiter: „Wir brauchen so schon 18.000 neue Wohneinheiten bis 2030, also im Prinzip zwei neue Stadtteile.“ Nun komme noch die Flüchtlingsnot dazu. Ob vor diesem Hintergrund beispielsweise das Naturschutzgebiet beim Rieselfeld Bestand haben könne, müsse man derzeit offen lassen: „Ich weiß es nicht“, so Werner Hein, der händeringend nach Unterbringungsmöglichkeiten sucht. „Wenn Sie uns Wohnraum anbieten wollen, rufen Sie mich an, wir mieten oder kaufen alles!“ Auch das Land stehe mit dem Rücken zur Wand und gebe den hohen Druck entsprechend weiter: „Wir bekommen die Menschen mit drei Tagen Vorlauf zugewiesen. Man sagt uns: Wenn ihr das nicht schafft, bekommt ihr zur Strafe noch zehn Prozent mehr Leute draufgepackt.“ Aber er wolle nicht jammern, so Hein: „Ich kann das Land in seinem Vorgehen sogar verstehen.“

Aus dem Kreis der anwesenden Freiburger Unternehmer wurden am Donnerstag trotz der heiklen Lage praktisch ausnahmslos positive Erfahrungen mit bereits vorhandenen Flüchtlingsunterkünften berichtet. Die Stadt mache „einen großartigen Job“, so einer der Teilnehmer. Es wurden aber auch kritische Stimmen laut: Die Tatsache, dass die Dimensionen der Flüchtlingsbewegungen kaum abzusehen seien, berge auch sozialen Sprengstoff, so ein Teilnehmer des Abends. Werner Hein antwortete darauf, dass auch er Risiken „nicht verniedlichen“ wolle. „Die Integration der Menschen ist unsere Hauptbaustelle. Sie ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die ein Prozess über Jahre und Jahrzehnte hinweg sein wird. Und in dem wir auch eine Chance für uns sehen können.“ Er hoffe nicht, dass die derzeit hilfsbereite Stimmung in der Bevölkerung kippe, aber er nehme die Frage sehr ernst, so Werner Hein weiter.

„Ich bin über die überwiegend positive Rückmeldung heute Abend sehr erfreut und überrascht“, so Christian Schulz, der Geschäftsführer der EXTROL Mineralöle Schulz GmbH, anschließend. Trotz der angespannten Rahmenbedingungen zeige die Gesprächsrunde mit den Freiburger Unternehmern, dass die Grundstimmung beim Flüchtlingsthema nach wie vor positiv sei. „Das Thema und die daraus folgenden Belastungen bewegen uns natürlich alle“, so der Vorsitzende der IG Haid und der IG Nord. „Für uns Unternehmer ist es wichtig, dass die Standortsicherung und das attraktive Umfeld für die Betriebe erhalten bleiben. Wir werden deshalb weiterhin den intensiven Dialog mit der Stadt suchen.“

INFO: Die IG HAID und die IG NORD verstehen sich als Sprachrohr und Kommunikationsplattform der Wirtschaft in den Gewerbe- und Industriegebieten Haid und Nord in Freiburg. Beide Gebiete gelten als Motoren und Musterbeispiele der Freiburger Wirtschafts- und Innovationskraft. Mit den IGen soll den Betrieben eine gemeinsame Stimme und ein Ansprechpartner gegenüber Stadt und Institutionen gegeben werden. Gleichzeitig soll der Austausch der Unternehmen miteinander gefördert werden. Mehr Infos unter www.ig-haid.de und www.ig-freiburg-nord.de 

(Quelle: Pressebüro Freiburg)

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