Badischer Tabak: Über 250 Jahre Zigarrentradition

Die Nachfrage nach badischem Tabak ist groß…

Seit 2009 leiden die Tabakbauern in Südbaden unter schlechtem Wetter. Hagel und Überschwemmungen sorgten in den vergangenen Jahren für schlechte Ernten. Die Tabaksorte “Virgin” wird weiterhin angebaut, der Traditionstabak “Geudertheimer” hingegen hatte 2014 seine letzte Saison. Dabei ist die Nachfrage nach badischem Tabak anhaltend groß.

Das Ende einer Ära

Die dunkle Zigarrentabaksorte sei der Industrie inzwischen zu teuer, so die Begründung. Der gleiche Tabak könne in Übersee, etwa in Brasilien oder der Dominikanischen Republik, viel günstiger produziert werden. Deshalb sei es wirtschaftlicher, in Baden auf anderen Tabak auszuweichen und verstärkt auf die Sorte “Virgin” zu setzen. Die Konsequenz: Die traditionelle Tabaksorte des Ried wird nicht mehr angebaut. Damit geht eine 250-jährige Ära zu Ende, die viele Badische Landwirte noch mit einer Zeit verbinden, als im Familienkreis abends Tabak angestochen und Volkslieder gesungen wurden. Die Ernte der Zigarrentabak-Sorte “Geudertheimer” wurde in vier Schritten per Hand durchgeführt: Nach dem Trocknen in speziellen Tabakschuppen wurden die Blätter sortiert, aufgearbeitet, schließlich fermentiert und zur Zigarre verarbeitet. Um die Qualität einer guten Zigarre zu erhalten, muss diese fachgeregt gelagert und aufbewahrt werden. Durch die Lagerung und die Alterung bildet sich das typische vollmundige Aroma aus, das Zigarrenliebhaber so sehr schätzen.

Produktion geht weiter

Auch wenn die Traditionssorte “Geudertheimer” nicht mehr angebaut wird, geht die Fabrikation von Zigarren weiter – und wird sogar ausgebaut. Die “Zigarren-Manufaktur Lehmann” etwa hat erst im August 2014 damit begonnen, Zigarren zu produzieren. Klaus Harisch und Gregor Grüb hatten vorher keinerlei Erfahrungen mit Zigarren. Bei Recherchen rund um das alte Handwerk stießen die beiden auf die Tabakanbauregion Ortenau, wo es im Ort Seelbach sogar noch eine eigene Zigarrenfabrikation gab. Bei einem Besuch bei Oskar und Maria Lehmann, die im Keller ihrer ehemaligen Fabrik noch Zigarren drehten, fiel die Entscheidung, die Idee aufzugreifen und in Lahr eine eigene Zigarrenmanufaktur zu eröffnen. Mittlerweile gibt es die Zigarren, die alle den Namen “Herr Lehmann” tragen, in drei verschiedenen Größen. Den Tabak beziehen Klaus Harisch und Gregor Grüb von Tabakbauern aus dem Ried.

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