Versicherungsschutz: Ist Deutschland überversichert?

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Grafik: © Regiorebellen

 

Deutschland im europäischen Vergleich nicht übermäßig versichert

Von Überversicherung ist zumindest in den Statistiken keine Spur: Laut Daten des GDV (Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft) liegt die Versicherungsdichte mit 2387 Euro im europäischen Vergleich deutlich hinter den Spitzenreitern Schweiz (6606 Euro), Finnland (4359 Euro) oder Dänemark (4300 Euro). Die Versicherungsdichte beschreibt laut GDV die „Versicherungsbeiträge pro Kopf der Bevölkerung“. Der GDV zufolge sei dieser Umstand darauf zurückzuführen, dass man in Deutschland vielfach noch auf die staatlichen Sicherungssysteme vertraue. Problematisch wird dies für den Einzelnen erst künftig angesichts des demografischen Wandels, der eine private Vorsorge für das Alter immer dringender macht.

Absicherung gegen existenzielle Risiken hat Vorrang

Vor einer privaten Altersvorsorge haben Absicherungen gegen existenzbedrohende Risiken absoluten Vorrang. Das Vorurteil der überversicherten Deutschen rührt laut eines Artikels der Wirtschaftswoche eher daher, dass gerne auch Policen doppelt und dreifach für Handys, Brillen oder Reisegepäck abgeschlossen werden. Bei solchen Policen ist der Nutzen fraglich, da man mitunter verhältnismäßig mehr einzahlt, als man am Ende im Schadensfall ersetzt bekommt.

Demgegenüber fehlte bis vor einigen Jahren noch in 15 Prozent der Haushalte die elementar wichtige private Haftpflichtversicherung. Diese schützt den Versicherungsnehmer, wenn er anderen einen materiellen oder persönlichen Schaden zufügt – beispielsweise wenn man einen Fahrradunfall verursacht. Besonders selten ist die Absicherung in Haushalten mit einem Einkommen von weniger als 1100 Euro: In dieser Gruppe hatten 35 Prozent der Verbraucher keinen Haftpflichtschutz. Doch wenn man anderen Personen beispielsweise durch einen Unfall schadet, kann das ohne Haftpflichtversicherung schnell den finanziellen Ruin bedeuten.

Auch der Sinn einer Berufsunfähigkeitsversicherung wird vielfach noch unterschätzt: Denn die Risiken für eine Berufsunfähigkeit betreffen immer häufiger auch vermeintlich „sichere“ Bürojobs. Mit 31 Prozent führen inzwischen nämlich die Nervenkrankheiten die Liste der Gründe für eine Berufsunfähigkeit an. Das verdeutlicht auch eine Übersichtsgrafik auf der Website von CosmosDirekt. Die Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt dem Versicherungsnehmer eine Rente, sobald dieser mindestens zu 50 Prozent berufsunfähig ist. Da die staatlichen Bezüge meist deutlich zu gering ausfallen, um den vorherigen Lebensstandard auch nur annähernd zu halten, lohnt sich der zusätzliche Schutz. Die Beitragshöhe hängt dabei von dem Alter des Versicherungsnehmers und dem ausgeübten Beruf ab. Wer dementsprechend früh für einen solchen Schutz sorgt, kann bares Geld sparen.

Versicherungsschutz überprüfen und hinterfragen

Zum Abschluss bleibt nur der Rat, den Versicherungsschutz regelmäßig zu überprüfen. Bestehen inzwischen obsolete Policen? Gibt es Lücken im Versicherungsschutz vor existenzbedrohenden Risiken? So beugt man nicht nur einer Überversicherung vor, sondern bessert auch an den richtigen Stellen nach. Eine gute Einschätzung, welche Versicherung wirklich wichtig ist und welche getrost gekündigt werden kann, ermöglicht diese Übersicht von Stiftung Warentest.

 

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