Türkische Börse mit fallenden Kursen nach Visa-Streit

börse türkei mit fallenden kursen nach visastreit
Symboldbild-Darstellung-Kursschwankungen: © Regiorebellen

Politische Streitigkeiten scheinen die Türkischen Märkte zu beeinflussen

Der Fall Peter Steudtner, ein in der Türkei inhaftierter Menschenrechtler, belastet derzeit das Verhältnis zwischen Berlin und Ankara. Doch die Türken müssen sich derzeit nicht nur mit den Forderungen Deutschlands beschäftigen – auch aus den Vereinigten Staaten weht ein extrem eisiger Wind. Vor wenigen Tagen schränkten die Türkei und die USA die Bearbeitung der Visa-Anträge des jeweils anderen Landes ein. Die politischen Streitigkeiten hatten natürlich auch Auswirkungen auf die türkische Landeswährung und auch auf die türkische Börse. Das spürten vor allem auch jene Anleger, die ihr Geld in türkische Aktiengesellschaften investierten.

Die Türkei gegen den Rest der Welt?

Im Fall Peter Steudtner ist aktuell keine Entspannung in Sicht. Vor wenigen Tagen bekräftigte die deutsche Bundesregierung noch den Protest gegen die vorliegende Anklage der türkischen Justiz. „Das liest sich wie ein sehr schlechter Roman“, so Steudtners Anwalt. Steudtner soll, so die Anklage, eine Terrororganisation unterstützt haben. Am 5. Juli 2017 wurden zehn Mitarbeiter von Amnesty International verhaftet – vier Personen wurden in weiterer Folge freigelassen, die sechs anderen Personen – unter ihnen auch Steudtner – sitzen noch immer in Untersuchungshaft. „Wir haben keinen Anlass, dass wir dem Verdacht folgen werden, Herr Steudtner hätte in irgendeiner Weise gegen das Gesetz verstoßen“, so Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD). „Die Bundesregierung verlangt daher die Freilassung und fordert die freie Ausreise für Herrn Steudtner.“ Als ob diese Probleme mit Deutschland nicht genügen würden, müssen sich die Türken nun auch mit den Vereinigten Staaten befassen. Der diplomatische Streit zwischen den Vereinigten Staaten und der Türkei eskalierte. Das Ergebnis? Die Vergabe von Visa an diplomatische Vertretungen wurde – bis auf unbestimmte Zeit – gestoppt. Der Grund für diese Maßnahme? Auch im amerikanisch-türkischen Streit geht es um die ungerechtfertigte Inhaftierung eines im US-Generalkonsulat beschäftigten Türken. Dem Mitarbeiter, der ein Mitglied der „Gülen-Bewegung“ sein soll, wurde Spionage vorgeworfen. Noch immer vertrete Staatsoberhaupt Recep Tayyip Erdogan die Ansicht, dass es die „Gülen-Bewegung“ war, die im vergangenen Jahr hinter dem Putschversuch stand. Die Türkei reagierte sofort auf den Visa-Stopp der Amerikaner und setzte die Vergabe von Visa an amerikanische Staatsbürger aus. Auch Recep Tayyip Erdogan meldete sich zu Wort – er finde die Streitigkeiten mit den USA „sehr schade“. Doch im Fall des Konsulatmitarbeiters bleibe er „hart“; Erdogan verwies die Vereinigten Staaten auf den türkischen Rechtsstaat.

Die Streitigkeiten haben anscheinend Auswirkungen auf die türkische Börse

Am Montag gab die türkische Börse laut Oanda um mehr als 4 Prozent nach – die türkische Landeswährung geriet ebenfalls unter Druck. Gegen Ende des Handelstages musste der Börsenindex ISE 100 einen Verlust von 3,6 Prozent verbuchen. Auch die Lira, die türkische Landeswährung, verlor gegenüber US Dollar und Euro rund 2 Prozent. Im asiatischen Handel gab es noch größere Verluste. Auch die Risikoaufschläge und Renditen für türkische Anleihen, die immer in der Landeswährung gehandelt werden, sind deutlich gestiegen. Die Analysten begründeten die extrem scharfen Reaktionen der unterschiedlichen Finanzmärkte auch damit, dass derartige politische Eskalationen nicht erwartet wurden – die Märkte wurden also allesamt überrascht. Zudem erinnerten die Beobachter auch an den Umstand, dass es sich bei der türkischen Lira um eine anfällige Währung handle. So sei die Türkei auf den dauernden Zustrom ausländischen Kapitals angewiesen – nur so kann das Land das Defizit im Außenhandel finanzieren. Des Weiteren leide die türkische Lira auch unter der hohen Inflation. Die Inflation liegt derzeit bei rund 11 Prozent!

Die Fluggesellschaft Turkish Airlines meldete ebenfalls Verluste

Auch der Aktienkurs der Turkish Airlines brach ein – zwischenzeitlich lag der Verlust bei rund 9 Prozent. Die türkische Fluggesellschaft teilte mit, dass die Staatsbürger der beiden Länder, sofern sie Tickets für die Route Türkei-USA haben, diese kostenlos zurückgeben könnten. Im letzten Jahr waren 313.654 Türken in die Vereinigten Staaten gereist. Umgekehrt waren es 459.543 Amerikaner, die in die Türkei kamen.

TEILEN

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT