Tabakatlas 2015: Im Süden wird am wenigsten geraucht

Weniger Raucher, mehr Dampfer

Der Tabakatlas 2015, eine jährliche umfangreiche Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums zum Thema Rauchen, zeigt, dass in Baden-Württemberg lediglich 26,9 % der Männer regelmäßig zur Zigarette greifen. Auf dem zweiten Platz folgt Bayern mit 27,2 % und auf dem dritten Platz das Saarland mit 27,4 %. Bei den Frauen liegen die Sächsinnen mit Abstand weit vorne: Nur 16,7 % der Damen in Sachsen rauchen regelmäßig, gefolgt von 18,3 % der Frauen in Bayern und 18,8 % der Frauen in Baden-Württemberg. Die meisten Raucher/innen sind statistisch gesehen in der Hauptstadt zu finden: In Berlin rauchen 35,1 % der Männer und 24,1 % der Frauen. Einen positiven Trend verzeichnet die Studie jedoch: Die starken Raucher sind fast alle unter den älteren Bundesbürgern zu finden. Unter jungen Leuten sind weit mehr Gelegenheitsraucher zu finden, die nicht täglich zur Zigarette greifen.

Unter den Jüngeren sind dagegen Shishas (Wasserpfeifen) und E-Zigaretten beliebter. Dies belegt auch die Euromonitor Studie 2015, wonach weltweit mittlerweile über 13 Millionen Menschen „dampfen“, die große Mehrheit in den USA und in Europa. Trotz der Verteufelung der E-Zigarette durch die Ärzte- und Tabaklobbys und konservativen Teilen der Regierung hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass nikotinfreie E-Zigaretten, die keine Belästigung durch Tabakrauch, Passivrauchen und Gestank darstellen, für die meisten einen annehmbaren Kompromiss darstellen. Gerade Ex-Raucher profitieren von einem sanften Entzug der Droge Nikotin und müssen nicht ganz auf ihren Genuss verzichten. Dies ist überall dort von Bedeutung, wo viele Menschen auf engem Raum miteinander auskommen müssen, zum Beispiel in der Außengastronomie oder in Fußballstadien

Trend geht weg von der Zwangsabstinenz

Deutschland findet sich mit der veralteten Forderung nach Zwangsabstinenz zunehmend isoliert in Europa. In Großbritannien haben die Behörden beispielsweise längst erkannt, dass E-Zigaretten wesentlich gesünder sind als Tabakprodukte und es zahllosen Menschen erleichtern, ihre Nikotinsucht zu besiegen. Ähnlich sieht es in anderen Bereichen aus, z. B. bei der Freigabe von Cannabisprodukten zum privaten Konsum und bei der Therapie von Alkoholkranken. Galt hier früher die Maxime, dass Alkoholiker nie wieder einen Tropfen anrühren durften, hat sich in anderen Ländern selbst der Trend zum „halbtrockenen“ Leben durchgesetzt. Immerhin: Ende 2014 kam auch in Deutschland das Medikament Nalmefen auf den Markt, das eine Reduktion des Alkoholkonsums bei Abhängigen bewirkt, sie aber nicht zur vollständigen Abstinenz zwingt. Die weitere Entwicklung bei diversen Genussmitteln in Deutschland bleibt abzuwarten.

 

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