“Sein eigenes Ding” statt Trittbrettfahren – wie man mit Hypes umgeht

hype
Bei perfekt in Szene gesetzten Hypes - lässt der Wahrheitsgehalt meist sehr zu wünschen übrig... (Grafik © Regiorebellen)

Mehr Schein als sein…

Jeder kennt das: Sobald ein neues digitales Gadget, ein Lebens- oder Diätkonzept, eine Kleidungsmarke oder gar eine politische Ansicht oder Person (man denke da an den “Martin-Schulz-Effekt”) zum “nächsten großen Ding” erklärt wird, springen scheinbar alle bereitwillig auf das neue Trittbrett auf und fahren mit. Dabei scheint es die folgsamen Massen nicht zu kümmern, ob der jeweilige Trend hält, was er verspricht und ob er überhaupt gut für sie ist. Nicht selten ist am Ende die Ernüchterung groß, das Geld in den Wind geschossen und die Nachteile der unausgereiften Neuheit machen sich schmerzlich bemerkbar. Warum passiert es also trotzdem, dass wir bei jedem neuen Hype den Drang verspüren, sofort mitzumachen? Und wie geht man damit um?

Was ist ein Hype?

Laut Theaterkritiker und Autor Bernd Sucher ist ein Hype der Versuch, irgendetwas (zum Beispiel ein Produkt, eine Dienstleistung, eine Person oder ein Denkkonzept) “nach oben” zu befördern, also zum Erfolg zu verhelfen. “Gehypt” werden kann quasi alles. Allerdings ist auch nahezu allen Hypes gemein, dass die damit verbundene Euphorie für Außenstehende oder in der Retrospektive vollkommen übertrieben wirkt und in keinem Verhältnis zum Ergebnis bzw. der Leistung steht. Fast jeder spürt dies unterschwellig, dennoch fallen wir immer wieder darauf herein. Denn ein Hype benötigt nur drei Voraussetzungen, um Fuß zu fassen:

1. Gutes Marketing

Um ein Produkt oder eine Dienstleistung erfolgreich zu vermarkten, bedienen sich seine Schöpfer immer eines Sets konkreter und bewährter Marketing-Strategien, die im sogenannten “Marketing-Mix” zusammengefasst sind. So sind jedem Werber, der seinen Job versteht, etwa die “4 P” bekannt. Jede Kampagne basiert auf einer sorgfältigen Vorbereitung, bei der präzise Platzierung, Preispolitik, Kommunikationstaktik und weiteres festgelegt werden, und dabei wird nichts dem Zufall überlassen.

2. Publizierungswillige Medien

Man sagt nicht umsonst “Medien machen Stars”. Die traditionellen Zeitungen, Fernseh- und Radiosender sowie natürlich das Internet sind aufgrund ihrer Reichweite für die Verbreitung eines Hypes unabdingbar. Und obwohl die meisten Menschen von Fach einen Hype schnell als das identifizieren, was er ist – eine klare Überhöhung -, lässt sich so mancher Journalist dafür instrumentalisieren. Oder er nutzt den Hype selbst, um reißerische Schlagzeilen und somit hohe Reichweiten zu produzieren.

3. Gruppenzwang

Nicht zuletzt braucht es Menschen, die die Kunde von dem neuen Must-have in die Welt hinausschreien und Follower generieren. Wie bei den Claqueuren des 19. Jahrhunderts, die im Theater künstlich zu gackern anfingen, um die anderen Zuschauer zum Mitlachen zu animieren, entsteht auf diese Weise eine Eigendynamik, die heute durch die sozialen Medien noch verstärkt wird. Tauchen gegenteilige Meinungen auf, zeigt sich das paradoxe Phänomen, dass sie den Hype sogar noch bestätigen und am Laufen halten. Denn bekanntermaßen gibt es keine schlechte Publicity.

Was tun, wenn alle zum Mitmachen aufrufen?

Um leeren Versprechungen nicht auf den Leim zu gehen, ist es sinnvoll, sich von dem Gruppenzwang rund um den Hype zu distanzieren. Es ist allemal besser, den Hype eine Weile aus der Distanz zu beobachten und seine Vor- und Nachteile genau abzuwägen – kurz gesagt, sich seine eigene Meinung zu bilden. Erst wenn man ohne Beeinflussung von außen von dem neuen Trend überzeugt ist, sollte man ihn in sein Leben lassen.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT