Freiburg: Neue Methoden verfeinern Epilepsie-Diagnostik

Forschung Uniklinik Freiburg Epilepsie
Bild: (c) Universitätsklinikum Freiburg/Britt Schilling

Forschung für das Gewitter im Kinder-Gehirn

Freiburg: Neue Methoden verfeinern die Epilepsie-Diagnostik bei betroffenen Kindern und Jugendlichen: Um Epilepsie bei jungen Patienten besonders schonend und präzise zu diagnostizieren, erforscht eine Arbeitsgruppe der Sektion Epilepsiediagnostik im Kindes- und Jugendalter am Universitätsklinikum Freiburg neue Untersuchungsverfahren. Das Ziel der Forscher ist es, Hirnstrukturen zu identifizieren, die für die Entstehung von epileptischen Anfällen verantwortlich sind. Dies soll anhand von zwei Schwerpunkten geschehen: zum einen durch die Forschung an sogenannten Hochfrequenzoszillationen und zum anderen durch die Kombination unterschiedlicher Verfahren zur Messung der Gehirnaktivität.

Wo im Gehirn eine Epilepsie ihren Ursprung hat, können Ärzte mit Hilfe eines Elektronenenzephalogramms, kurz EEG, untersuchen. Damit lassen sich auch sehr schnell wechselnde elektrische Schwankungen im Gehirn, so genannte Hochfrequenzoszillationen (HFO) messen. Sie sind häufig in anfallsauslösenden epileptischen Hirnarealen höher als in gesunden. „Die Forschung an den HFO ist sehr vielversprechend. In den letzten Jahren konnten wir zeigen, dass wir damit die Anfallsherde im Gehirn besser lokalisieren können als mit den üblicherweise genutzten EEG-Daten“, sagt Prof. Dr. Julia Jacobs-Le Van, Leiterin der Sektion Epilepsiediagnostik im Kindes- und Jugendalter, einer engen Kooperation zwischen dem Epilepsiezentrum der Klinik für Neurochirurgie sowie der Klinik für Neuropädiatrie und Muskelerkrankungen des Universitätsklinikums Freiburg.

Die Forscher messen HFOs entweder in einem intrakraniellen EEG, bei dem Elektroden zu diagnostischen Zwecken direkt auf dem Gehirn platziert werden, oder mit Hilfe eines nicht-invasiven Oberflächen-EEGs. Hierbei werden Elektroden auf der Kopfhaut des Patienten angebracht. „Unser Ziel ist es das Oberflächen-EEG zu verfeinern. Das würde eine Epilepsie-Diagnose vor allem bei Säuglingen und Schulkindern ohne invasive Eingriffe sehr vereinfachen, da die epileptische Aktivität im Gehirn schneller und besser kontrolliert werden könnte. So kann schon frühzeitig überprüft werden, ob eine antiepileptische Therapie wirksam ist“, sagt Prof. Jacobs-Le Van.

Ein zweiter Schwerpunkt der Arbeitsgruppe ist die Verbindung von Ergebnissen aus EEG und funktioneller Magnetresonanztomographie, kurz fMRT. Die Kombination der hohen räumlichen Auflösung der Hirnaktivität durch das fMRT und der hohen zeitlichen Auflösung durch das EEG erlaubt es räumliche Netzwerkstrukturen des Gehirns besser darzustellen, die an der Entstehung eines epileptischen Anfalls beteiligt sind. „Durch die Kombination beider Verfahren kann der Anfallsherd der Epilepsie besser eingegrenzt  werden. Hierdurch kann entschieden werden, ob ein chirurgischer Eingriff am Gehirn möglich ist oder nicht“, sagt Prof. Jacobs-Le Van.

Anfang September 2016 wurde Prof. Jacobs-Le Van zusammen mit ihrer Arbeitsgruppe Pädiatrische Epilepsieforschung für ihre Forschungsarbeit mit dem Young Investigator Award der Europäischen Kommission für Epilepsie im Rahmen des zwölften Europäischen Epilepsie-Kongresses in Prag ausgezeichnet.

Die Sektion Epilepsiediagnostik im Kindes- und Jugendalter am Epilepsiezentrum des Universitätsklinikums Freiburg bietet für Kinder und Eltern umfangreiche Möglichkeiten zur Information, Diagnostik und Therapie. Dies geschieht in enger Zusammenarbeit zwischen dem Epilepsiezentrum in der Klinik für Neurochirurgie und der Klinik für Neuropädiatrie und Muskelerkrankungen am Universitätsklinikum Freiburg sowie dem dort ansässigen Sozialpädiatrischen Zentrum. Ein Team von erfahrenen Kinderneurologen, Psychologen, Heilpädagogen und Physiotherapeuten kümmert sich um die betroffenen Kinder. Stationäre und ambulante Beratungen und Untersuchungen sind für alle Altersgruppen vom Neugeborenen bis zum Jugendlichen in einer altersentsprechenden Umgebung möglich.

(Quelle: Universitätsklinikum Freiburg)

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